Kosovo: Europäische Integration im Fokus Die (neue) Österreichisch-Kosovarische Freundschaftsgesellschaft als Promotorin einer guten Zukunft im gemeinsamen Europa

 

 

 

luk as mandl/t homas goiser

Kosovo: Europäische Integration im Fokus

Die (neue) Österreichisch-Kosovarische Freundschaftsgesellschaft als Promotorin einer guten Zukunft im gemeinsamen Europa

 

 

„Obwohl die Freundschaftsgesellschaft neu gegründet wurde, ist die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern sehr alt. Österreich war einer der ersten Staaten,  der unser Land anerkannt hat, und ist heute der größte Unterstützer des Kosovo auf internationaler Ebene. Österreich ist im Kosovo einer der wichtigsten Investoren, vor allem in der Landwirtschaft, der Energieversorgung und dem Bildungswesen – eine gute Basis für die Gründung dieser Freundschaftsgesellschaft und die weitere Verbes- serung unserer zwischenstaatlichen Beziehungen.“

Hashim Thaçi, Präsident der Republik Kosovo, beim Gespräch anläss-

lich der Delegationsreise im Herbst  2016

 

Im Beitrag „Kosovo: Europäische Integration im Fokus“ beschreiben die Autoren Thomas Goiser und Lukas Mandl die Arbeit der 2016 gegründeten Österreichisch- Kosovarischen Freundschaftsgesellschaft als Promotorin einer guten Zukunft im gemeinsamen Europa. Ausgehend von Überlegungen zum Zweck einer Freund- schaftsgesellschaft und der aktuellen Situation in der Republik Kosovo schildern sie Erfahrungen von der ersten Delegationsreise und beschreiben Perspektiven für erste gemeinsame Projekte im jüngsten Staat Europas. Zwischen der nach dem zweiten Weltkrieg wiedererstandenen Republik Österreich und der Republik Kosovo gibt es interessante Parallelen.

 

 

 

 

 

 

Aufblende: Freundschaftsgesellschaft – was ist  das?

„Freundschaftsgesellschaften“ (international sind die Bezeichnungen Friendship Association, Friendship Society, International Society, Associa- tion d’Amitié gängig) fördern den Dialog zwischen Nationen, meist in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur, Tourismus und Sicher- heitspolitik. Sie haben sich aus Netzwerkorganisationen für die jeweiligen AuslandsbürgerInnen entwickelt, die teilweise seit dem Mittelalter existier- ten.

Als private Vereine organisiert sind Freundschaftsgesellschaften heute weit mehr als „Kulturaustausch-Organisationen“. Sie sind heute Ausgangs- und Anknüpfungspunkte für internationale Projekte, Thinktanks für die bilaterale Zusammenarbeit und eine wichtige Anlaufstelle für die Weiter- entwicklung der zwischenstaatlichen Beziehungen. Dabei organisieren sie – mit meist ehrenamtlich tätigen FunktionärInnen – fachliche und kulturelle Veranstaltungen, manchmal auch Delegationsreisen, und  pflegen  Kontakte zu Institutionen in den verschiedensten Bereichen. Für die Mitglieder, die meist einen persönlichen Bezug zu beiden Ländern haben, hat ihre Teil- nahme an diesen Gesellschaften auch einen gewissen Bekenntnischarakter.   So entstehen sehr vielfältige zwischenstaatliche Communitys. Oft sind sie auch eine gute Anlaufstelle für Expats, also ins Ausland entsandte Mitarbei- terInnen international tätiger Unternehmen, oder Studierende. Und nicht zuletzt leisten die Freundschaftsgesellschaften einen (meist sehr positiven) Beitrag für das Ansehen Österreichs in anderen  Staaten.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts (und auch als Folge der Zersplitterung Europas nach dem Ende der Vielvölkerstaaten) entstanden Vereinigungen,  die sich der Förderung von Kulturaustausch und gegenseitigem Verständnis annahmen. In Österreich setzte eine größere Gründungswelle während der Besatzungszeit ein. Sie nahm ihren Anfang mit der Gründung der Österrei- chisch-Amerikanischen, der Österreichisch-Sowjetischen und der Österrei- chisch-Schwedischen Gesellschaft im Jahr 1946; zahlreiche weitere  folgten.

Als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen ist Wien ein be- sonders geeignetes Umfeld für bilaterale Freundschaftsgesellschaften. Rund 120 dieser Organisationen sind heute im „Dachverband aller österreichisch- ausländischen  Gesellschaften  –  PaN  (Partner  aller  Nationen)“ organisiert.

„Der  Geist  des  Miteinander  und  der  Freundschaft  hat  seither wesentlich

 

 

 

 

 

dazu beigetragen, dass in Österreich Nationalismus und Fremdenfeindlich- keit mit aller Entschiedenheit  abgelehnt  werden“, heißt  es  auf  der Web- site des Dachverbands. PaN akzeptiert pro Staat nur eine Organisation als Vertreterin; eine Reihe von ausländischen Schwesterorganisationen, die entweder einer bilateralen Gesellschaft in Österreich oder dem  Dachver- band PaN entsprechen, oder Zusammenschlüsse von in Österreich leben-  den MigrantInnen werden als außerordentliche Mitglieder aufgenommen. Als jüngstes ordentliches Mitglied wurde am 10. Juni 2016 die Österrei- chisch-Kosovarische Freundschaftsgesellschaft bei PaN  aufgenommen.

 

 

Rückblende: Kosovo – ein harter Weg Richtung Unabhängigkeit und EU

Nach dem Krieg, der 1998/1999 zum Zerfall Jugoslawiens führte und in  dem die NATO die Kosovo-Albaner gegen das Milošević-Regime unter- stützte, wurde Kosovo durch die UN-Resolution 1244 de facto der Verwal- tungshoheit einer UN-Mission (UNMIK = United Nations Interim Ad- ministration Mission in Kosovo) unterstellt. Im Februar 2008 erklärte die Republik Kosovo schließlich ihre Unabhängigkeit. Österreich zählte zu den ersten Staaten, die die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannten. Die inter- nationale Staatengemeinschaft sorgt mit der KFOR(Kosovo Force), die eng mit der Mission der UN im Kosovo zusammenarbeitet, weiterhin für ein sicheres Umfeld. Das Österreichische Bundesheer leistet seit Beginn mit seinem Kontingent einen beachtlichen Beitrag zur KFOR; immerhin sind rund 500 ÖsterreicherInnen im Land stationiert.

„Kosovo – The young Europeans“ war der Name einer hoffnungs- vollen Nation-Branding-Kampagne, die international viel Beachtung  fand und 2010 bei den M&M Awards (International Media & Marketing Awards) als weltweit beste ausgezeichnet wurde. Der junge Staat bewarb damit ne- ben der Integration in die europäischen Institutionen auch seine sehr junge Bevölkerung (Medianalter etwas über 26 Jahre; zum Vergleich Österreich: etwas über 42 Jahre). Die junge Bevölkerung gibt es weiterhin, wie auch    die Herausforderungen. Die ethnischen Spannungen  zwischen  albanisch- und serbischstämmigen Staatsangehörigen wirkten nach und führten immer wieder zu Eskalationen.

 

 

 

 

 

 

Mit Anfang 2017 haben 113 Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt; das Nachbarland Serbien zählt – wie auch die fünf EU-Mitglieder Griechenland, Rumänien, die Slowakei, Spanien und Zypern – nicht dazu.

Im Rahmen eines Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses arbeitet die EU seit 1999 daran, die Länder des westlichen Balkans an die europä- ische Integration heranzuführen. Durchaus mit Erfolg – Kroatien ist 2013   der EU beigetreten; Montenegro, Serbien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und Albanien sind heute offizielle Bewerberländer. Kosovo ist – wie auch Bosnien und Herzegowina – ein potenzieller EU- Beitrittskandidat. Die EU ist heute mit der Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union (EULEX) präsent. Ende Oktober 2015 schlossen die Europäische Union und die Republik Kosovo ein Stabilisierungs- und As- soziierungsabkommen ab, welches im April 2016 in Kraft getreten ist. Da-  rin verpflichtet sich Kosovo, EU-Standards für Regierungsführung und Zi- vilgesellschaft einzuhalten, etwa im Bereich der Menschenrechte oder bei rechtsstaatlichen Justizverfahren. Im wirtschaftlichen Bereich ist  ebenfalls eine schrittweise Annäherung an die EU vorgesehen.

 

 

Perspektivenwechsel: Der Freundschaft eine Gesellschaft  geben

Der lange in Priština ansässige Österreicher Günther Fehlinger hat nichts unversucht gelassen, um die Aufmerksamkeit für die Republik Kosovo bei uns zu erhöhen. Und er war erfolgreich: Innerhalb eines Jahres sind neue Bindungen entstanden, die menschlich kräftig, hierarchisch hochkarätig und inhaltlich auf der Höhe der Zeit  sind.

Nachdem kurz vor Weihnachten des Jahres 2015 der Entschluss ge- fasst worden war, die Freundschaftsgesellschaft zu gründen, war vieles noch unklar, aber eines glasklar: Einen funktionalen Beitrag kann die Freund- schaftsgesellschaft nur leisten, wenn sie

  • konsequent überparteilich aufgestellt ist und agiert;
  • alle für sie infrage kommenden Gesellschaftsbereiche abdeckt;
  • vernetzt und verstärkt, was schon da ist (statt redundant zu arbeiten).

 

Dass diese Parameter bisher verwirklicht werden konnten, ist vielen Unter- stützerinnen und Unterstützern zu verdanken. Denn die   nachhaltige Wirk-

 

 

 

 

 

samkeit der neuen Organisation gehört erst unter Beweis gestellt und hängt maßgeblich von der Erreichung und Umsetzung folgender Faktoren  ab:

  • Überparteilichkeit (auch im Kontakt zur kosovarischen Politik);
  • Verständigung und Versöhnung, mit einem Fokus auf die Ethnien und Serbien;
  • konkrete Projekte, vor allem für Bildung,Wachstum und Lebensquali- tät.

 

Sebastian Kurz hat als Österreichs Außenminister einen klaren Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit den Staaten des Westbalkans gelegt. Folge- richtig hat er die Freundschaftsgesellschaft, schon als ihre Gründung noch eine lose Idee war, ideell und strukturell unterstützt. Die Freundschaftsge- sellschaft bewegt sich im Rahmen von Österreichs Außenpolitik sogar in einem Kernbereich. Es ist schön, darüber Gewissheit zu haben. Ulrike Lu- nacek als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Berichterstatte- rin zum Integrationsprozess der Republik Kosovo ist neben Sebastian Kurz die bedeutendste Kosovo-Kennerin in der gegenwärtigen österreichischen Politik. Sie hat die Freundschaftsgesellschaft noch vor deren Gründung mit Kosovo-Kennern in Kunst und Wissenschaft vernetzt und wertvolle Kon- takte zu zivilgesellschaftlichen Institutionen hergestellt. Erhard Busek hat als wohl größter Kenner des Kosovo in der heimischen politischen Landschaft der Freundschaftsgesellschaft in ihrer Gründungsphase viel Einblick in Ge- schichte und Gegenwart gewährt und ebenfalls eine Reihe wichtiger Kon- takte ermöglicht.

 

 

Panorama: Kosovo und Österreich – ein  Reisebericht

Am ersten Morgen der ersten Studienreise der Österreichisch-Kosova- rischen Freundschaftsgesellschaft, die von 30. Oktober bis  3.  November 2016 stattfand, durfte der Präsident der Gesellschaft und Mitautor dieser Zeilen gemeinsam mit Sami Ukelli, dem Botschafter der Republik Kosovo   in  Österreich, und Arsim  Vranovci, dem  Vertreter  der  im Kosovo  tätigen

„Oesterreichisch-Kosovarischen Gesellschaft“, in Priština live im Fernsehen über das Verhältnis der Länder zueinander und deren wachsende Freund- schaft sprechen.

 

 

 

 

 

 

Was sollte seitens der Freundschaftsgesellschaft gesagt werden?  Was wäre kurz und klar – und dennoch richtig? Jeglicher Anschein von Über- heblichkeit des vergleichsweise reichen Österreich gegenüber dem armen Kosovo sollte vermieden werden, weil solche Überheblichkeit in jeder Hin- sicht unberechtigt wäre. Aber es war und ist von anhaltender Bedeutung,    die Motivation zu gesellschaftlichen und politischen Reformen in der Re- publik Kosovo aufrecht zu erhalten und zu stärken. Da schien ein histori- scher Vergleich angebracht: Es ist beinahe hundert Jahre her, dass Österreich ein Staat war, „den keiner wollte“, und an den viele Österreicherinnen und Österreicher in dieser Form nicht glaubten. Und bis Leopold Figl zu Weih- nachten 1945 den flehentlichen Appell „Glaubt an dieses Österreich!“ an seine Landsleute richtete, hatten viele Menschen in diesem Land Irrwege beschritten, Fehler monströsen Ausmaßes gemacht und viel Schuld auf sich geladen. Der Opfer zu gedenken, ist Aufgabe einer zivilisierten  Kultur  – keine besondere Leistung, sondern eine Frage der politischen Hygiene. Dass die daraus zu ziehenden Lehren nichts an Aktualität eingebüßt haben, wird bei aufmerksamer Beobachtung der politischen Entwicklungen täglich aufs Neue bewusst – und sollte uns motivieren zur täglichen Verteidigung von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat.

Wenn man von der Wasserkraft absieht – ein  positiver Aspekt  der sonst sehr schwierig zu bewirtschaftenden Bergregionen –, ist die Ausstat- tung Österreichs mit natürlichen Ressourcen sehr eingeschränkt. Wir haben keinen Zugang zum Meer. Und die Witterung ist aufgrund der Jahreszei- ten-Wechsel nicht die beste. Die Landwirtschaft muss sich bei uns beson- ders anstrengen. Das alles ähnelt den Rahmenbedingungen in der jungen Republik Kosovo.

Ein Vergleich entspricht nicht einer Gleichsetzung; so ist es eine Tat- sache, dass die Republik Kosovo  ein Staat ist, den ganz viele wollen. Nur  ist die Anerkennung durch die Staatengemeinschaft zwar sehr weit fortge- schritten, aber noch nicht vollständig. Bei den Staaten, deren Anerkennung noch aussteht, liegt die Ursache in den allermeisten Fällen in innenpoliti- schen Faktoren (die naturgemäß in ständigem Wandel begriffen  sind).

Es gibt viel Anlass zu der Annahme, dass viele Kosovarinnen und Kosovaren an ihr Land glauben – und zwar trotz großer Herausforderun-  gen, die vielfach mit ähnlichen Mitteln bewältigt werden können wie in

 

 

 

 

 

Österreich nach 1945. Die allermeisten jungen Menschen  sind  hungrig nach Bildung und durstig nach Chancen – wie damals in Österreich. Und viele Menschen haben, vielleicht auch als Folge der jüngst erlebten Zeit- geschichte, eine natürliche Aversion gegen Extremismus und Totalitarismus jedweder Art – wie damals in Österreich.

Die Republik Kosovo ist  klein,  wird  von  großen  Mächten  aber  mit besonderer Aufmerksamkeit  bedacht  –  so  wie  damals  Österreich. Wir in Österreich haben unsere Erfolgsgeschichte nicht allein eingeleitet, ermöglicht und umgesetzt. Zuerst war uns die Demokratie geschenkt wor- den. Zehn Jahre später hatten wir uns die staatliche Souveränität erarbeitet. Selbstverständlich war diese Entwicklung nicht. Sie beruhte auf Entschei- dungen im Interesse Österreichs auf der Basis von Vertrauen gegenüber den Österreicherinnen und Österreichern, und es war wohl auch das sprich- wörtliche Quäntchen Glück dabei. Das gilt es  auch  bei  der  Entwicklung des Kosovo zu bedenken.

 

 

Im Fokus: Friede und Sicherheit auf der Basis von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit

Ein Besuch im KFOR-Camp in Prizren, wo eine österreichische Einheit stationiert ist, hat der Freundschaftsgesellschaft den Eindruck vermittelt, dass es seit vielen Jahren eine stetige Aufwärtsentwicklung der Sicherheitslage gibt. Die Zeugnisse unserer Soldatinnen und Soldaten waren authentisch  und glaubwürdig. Ihre Präsenz hat viel zur Stabilisierung beigetragen und   ist nach wie vor hilfreich, ihre Aufgaben entwickeln sich jedoch tendenziell von der Involvierung zur Beobachtung.

Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger der Republik Kosovo ist muslimischen Glaubens, Minderheiten sind serbisch-orthodox, katholisch, anderen Konfessionen angehörig oder konfessionslos. Die Republik Kosovo hat eine der modernsten Verfassungen der Welt. Auf dem Ideal der Freiheit fußende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit werden hier konsequent pos- tuliert. Wie beinahe überall sonst gilt es täglich, die Identität zwischen Re- alverfassung und Verfassung zu leben und zu  stärken.

Die Wahrnehmung der Freundschaftsgesellschaft ist insgesamt,

 

 

 

 

 

 

  • dass die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung der Republik Kosovo – wie oben geschildert – von Extremismus und Totalitarismus nichts wissen will;
  • dass die Behörden akribisch darauf achten, dass Tendenzen dieser Art im Keim erstickt werden – davon konnte sich etwa eine Expertin aus dem Beraterstab von Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka bei unserer Delegationsreise ein Bild machen;
  • dass die Republik Kosovo das erste positive Beispiel für die Integration eines Staates mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung in die Euro- päische Staatengemeinschaft werden

 

Es war ein Schlüsselmoment, als der Staatspräsident der Republik Kosovo, Hashim Thaçi, beim Empfang für die Freundschaftsgesellschaft an seinem Amtssitz unmissverständlich die ausdrücklich europäische Identität der Repu- blik Kosovo betonte. Die Delegation konnte sich vielfach vergewissern, dass die Wirklichkeit diesen Worten weitgehend gerecht wird – etwa im Ge- spräch mit der sehr engagierten Investigativjournalistin Jeta Xharra oder mit Justizministerin Dhurata Hoxha. An der starken europäischen Identität des Kosovo besteht auch kein Zweifel, wenn man Außenminister Enver Hoxhaj hört, wenn er – wie bei einem Essen mit der Freundschaftsgesellschaft – frei und fundiert über die Kulturgeschichte seines Landes in und mit Europa spricht und wenn er dann einfach nebenbei Stefan Zweig zitiert. Hoxhaj erweist sich als Staatsmann von besonderem intellektuellen  Format.

So überparteilich und breit die Freundschaftsgesellschaft in  Öster- reich aufgestellt ist, so überparteilich und breit gefächert ist heute ihr An- spruch auch in der Kommunikation mit den gesellschaftlichen und politi- schen Kräften in der Republik Kosovo.

 

 

Im Fokus: Bildung und der Kampf gegen  Korruption

Die Republik Kosovo ist materiell das ärmste Land am Balkan. Laut Welt- bank lag das Pro-Kopf-Einkommen 2015 bei 4.000 US-Dollar, das BIP ins- gesamt bei etwa 6,4 Mrd. Dollar. Der beste Weg aus der Armut ist Bildung; damit der Bildungshunger gestillt werden kann, damit sich Fleiß und Un- ternehmungslust  auch  in Wirtschaftswachstum  ausdrücken  und  damit die

 

 

 

 

 

Motivation aufrecht bleibt, bedarf es mutiger Entscheidungen und einiger nachhaltiger Projekte von Politik und  Zivilgesellschaft.

Elementare Bildung – für Buben und Mädchen! – ist von zentraler Bedeutung. Der Rotary Club Wien-Hofburg hat sich bereits einem Projekt des Rotary Club Prishtina International angeschlossen, um für junge Mäd- chen den Schulbesuch zu erleichtern.

Wie in allen Transitionsgesellschaften ist der Kampf gegen Korruption ein entscheidender Faktor für den Aufstieg zu Wachstum und Wohlstand.  Ein weiterer Schlüsselmoment der Studienreise war jener, als Johannes  Riepl, langjähriger Vertreter der Raiffeisenbank International in Priština, Bürgermeister Shpend Ahmeti dazu gratulierte, dass er im Bereich der Stadtverwaltung der kosovarischen Hauptstadt die Korruption ausgemerzt habe. Die Freundschaftsgesellschaft unterstützt die Bemühungen der koso- varischen Institutionen auf allen Ebenen. In diesem Zusammenhang wur-  den gemeinsame Projekte etwa in den Bereichen Bildung, Medien, Justiz  und Polizei angeregt, wofür etwa die österreichische Notariatskammer als mögliche Partnerin infrage kommt.

 

 

Im Fokus: Schlüsselthema  Visafreiheit

Was diese Motivation zweifellos gefährdet, ist  der  lange  und  beschwerli- che Weg zur Visafreiheit – mit ungewissem Ausgang. Dieses Thema war Gegenstand zahlreicher Fragen im Rahmen des Empfangs bei Parlaments- präsident Kadri Veseli. Für ein besseres Verständnis der Bedeutung dieses Themas ist zu beachten, dass die Republik Kosovo ein Binnenland ist, wo- bei alle seine Nachbarstaaten Visafreiheit  genießen.  Viele  Kosovarinnen und Kosovaren leben und arbeiten im Ausland. Mehr als andere ist diese kleine Volkswirtschaft für ihre Prosperität auf Offenheit – auf Internati- onalität! – angewiesen; wieder etwas, das wir in Österreich gut nachvoll- ziehen können. Für diesen politischen Erfolg wird die  Republik  Kosovo noch die Frage des Grenzverlaufs mit Montenegro zu klären haben. Die Staatengemeinschaft sollte in der Güterabwägung zu dem Schluss kommen, dass es niemandem dient – aber viel schaden kann –, wenn das kleine Land gleichsam ein „Druckkochtopf“ wird, von dem der Deckel nie abgenom- men wird.

 

 

 

 

 

 

Zwischen dem österreichischen und dem kosovarischen Parlament besteht eine Freundschaftsgruppe, die vom Nationalrats-Abgeordneten Christoph Vavrik aktiv geleitet wird und sich unter anderem auch mit die- ser Frage beschäftigt.

 

 

Ausblick 2017:  Die Aufbauarbeit fortsetzen

Die Tragfähigkeit der Freundschaft wird sich besonders in der Umsetzung oder zumindest der Unterstützung konkreter Projekte im Rahmen der Freundschaftsgesellschaft zeigen. Erste Ansätze dafür gibt es bereits. Die mit- gereisten ExpertInnen aus dem Gesundheitswesen  haben  die  Studienreise für intensive Recherchen in Management, Praxis und Politik genützt und werden im Jahr 2017 vermutlich die ersten neuen Kooperationen zwischen österreichischen und kosovarischen Institutionen starten. Dass beispielsweise die Kindersterblichkeit in der Republik Kosovo  etwa doppelt so hoch ist wie im Rest Europas, ist mit gemeinsamen Anstrengungen zu ändern. Ein weiteres Projekt zum sozialen Wohnbau wurde im Kontext der Freund- schaftsgesellschaft vom Wohnbauexperten Wolfgang Amann (Institut für Im- mobilien, Bauen und Wohnen GmbH) initiiert.

Betrachten wir es symbolisch: Die sechs Sterne in der Fahne der Re- publik Kosovo stehen für die Ethnien, denen die kosovarischen Staatsbür- gerinnen und -bürger angehören. Das Gegeneinander im Land gehört der Vergangenheit an. Zwar gibt es in der Gegenwart noch viel Nebeneinan-  der, aber die konstruktiven Kräfte in der Republik Kosovo arbeiten an einer Zukunft des Miteinanders. Es gibt viele gute Gründe dafür, dass sich Ko- sovo und Österreich die Hand reichen, ihre Freundschaft pflegen und ge- meinsam an einer guten Zukunft im gemeinsamen Haus Europa – in dessen geografischer Mitte genauso wie an dessen geografischen Rändern – bauen. Das ist es, wozu wir einen Beitrag leisten wollen.

 

 

Nützliche Links

Republik Kosovo: https://www.rks-gov.net/en-us

Resolution 1244 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 10. Juni 1999 (UNSCR 1244): https://documents-dds-ny. un.org/doc/UNDOC/GEN/N99/172/89/PDF/N9917289.pdf

 

 

 

 

 

EULEX – European Union Rule of Law Mission: http://www.eulex-kosovo.eu

UNMIK – United Nations Mission in Kosovo: https://unmik.unmissions.org/

KFOR – Österreichisches Bundesheer im Kosovo: http://www.bundesheer.at/ausle/kfor/

Europäische Kommission – Nachbarschaft und Erweiterung: https://ec.europa.eu/neighbourhood-enlargement/  Europäisches Parlament – Kurzdarstellung Länder des westlichen Balkans: http://www.europarl.europa.eu/atyourservice/de/ displayFtu.html?ftuId=FTU_6.5.2.html

Weltbank Länderprofil Kosovo: http://data.worldbank.org/country/kosovo Österreichisch-Kosovarische Freundschaftsgesellschaft: www.kosovo-friends.at Dachverband aller Freundschaftsgesellschaften (PaN): www.dachverband-pan.org

 

 

Kurzprofil: Österreichisch-Kosovarische Freundschaftsgesellschaft

Gegründet: 18. Mai 2016

Mitgliedschaft: Offen für interessierte Einzelpersonen, Unternehmen und Institutionen

 

Board

(Stand: 12. Jänner 2017) Präsident: Lukas Mandl

Vizepräsidentin und Vizepräsidenten: Kurt Hohensinner, Christian Klepej, Ulrike Lunacek, Andreas Wimmer Generalsekretär: Arber Marku

Weitere Vorstandsmitglieder: Thomas Schüssler (Kassier), Filip Radunovic (Schriftführer), Wolfgang Gerstl, Karl Grammanitsch, Alfred Harl, Peter Hasslacher, Christian Moser, Stefan Schennach, Bernd Schönegger, David Ungar-Klein, Christoph Vavrik, Fried- helm Frischenschlager (kooptiert), Astrit Hyseni (kooptiert)

Rechnungsprüfung: Günther Fehlinger, Johann Günther

Advisory Board: Wolfgang Benedek, Erhard Busek, Kujtim Dobruna, Alush Gashi, Thomas Goiser, Karl Kaser, Johann Luif, Michael Löwy, Bernhard Marckhgott, Johannes Riepl, Christian Rupp, Hannes Swoboda, Peter Hosek (kooptiert)

 

Kontakt:

c/o Europahaus Wien Linzerstraße 429

1140 Wien

Mail: office@kosovo-friends.at Web: www.kosovo-friends.at Twitter: @_KFAT

ZVR-Nr.: 980969778

 

 

 

 

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