Die Arbeit der Zukunft

 

Die Arbeit der Zukunft

Neue Technologien (vor allem im Bereich Information & Kommunikation), die Aus- wirkungen fortschreitender Globalisierung und in letzter Zeit auch Bemühungen,     den Klimawandel zu begrenzen, haben Wirtschaft und Arbeitsmarkt  stark  verän- dert. Dieser Wandel wird sich fortsetzen und sogar beschleunigen. Er bietet Chancen und Risiken. Eine der wichtigsten Auswirkungen der  neuen  Rahmenbedingungen und Trends in der Arbeitswelt ist, dass Aus- und Weiterbildung eine immer größere Bedeutung für den Einzelnen ebenso wie für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gewinnt.

 Zahlreich sind in der letzten Zeit die Referat- und Interviewanfragen geworden, die uns im AMS nach der Arbeit der Zukunft fragen. Von Medien- vertretern wurde im vergangenen Jahr unzählige Male sensationslustig die Frage gestellt: „Nehmen uns die Maschinen die Arbeit weg?“. Aber auch in der Bevölkerung lässt eine zähe Wirtschaftsentwicklung und Rekordarbeits- losigkeit als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise Sorgen und Zukunfts- ängste entstehen. Und so ist es nur verständlich, wenn in Zeiten von großen Veränderungen der Wunsch nach sicheren Informationen wächst. Die Zu- kunft ist jedoch naturgemäß nicht vollständig vorhersehbar, da sie erstens Gott sei Dank gestaltbar ist und zweitens die ohnedies schon schwer vor- hersagbaren Konjunkturzyklen auch noch von disruptiv wirkenden Inno- vationsschüben (z. B. die Erfindung der Anti-Baby-Pille, der Digitalfotogra- fie oder wohl auch des Smartphone) und global wirkenden Großereignissen (z. B. der Zerfall der Sowjetunion, der Terroranschlag vom 11. September 2001 oder auch aktuell die Flucht von Millionen Menschen aus den Län- dern des mittleren Ostens) überlagert werden. „Schwer zu sehen, in stän- diger Bewegung die Zukunft ist“, sagt Meister Yoda in Episode V der so beliebten Star-Wars-Geschichte.

Tatsächlich lassen sich aber schon jetzt große Veränderungen am Ar- beitsmarkt beobachten. So wird zum Beispiel – anders als bei der Gene- ration unserer Großeltern und oftmals auch Eltern – die dauerhafte Be- schäftigung im selben Beruf, im selben Betrieb immer unwahrscheinlicher. Der Wechsel des Arbeitgebers, der Wechsel der Tätigkeit im Laufe eines Er- werbslebens wird immer häufiger. Im Durchschnitt dauert ein unselbststän- diges Dienstverhältnis in Österreich – statistisch allerdings durch die vielen Saisonjobs etwas verzerrt – nur mehr weniger als zwei Jahre.

Außerdem beobachten wir, mit welcher dramatischen Geschwindig- keit die Arbeit für unqualifizierte Menschen in unserem Land weniger wird. Während die Arbeitslosenquoten von Personen mit Universitätsabschluss, Matura oder auch einem Lehrabschluss als höchster abgeschlossener Ausbil- dung sich seit 1990 erstaunlich konstant entwickelt haben, hat sich im glei- chen Zeitraum die Arbeitslosenquote von Personen mit maximal Pflicht- schulabschluss – schon zuvor auf deutlich höherem Niveau –  verdreifacht.

 

Aktuell (November 2016) liegt die Arbeitslosenquote von Personen mit nur Pflichtschulbesuch österreichweit bei etwa 26 %, in Wien bei dramatischen 36 %. Eine Herausforderung, die wir im AMS, das müssen wir ehrlich sagen, nicht alleine zu bewältigen imstande sind. Und dies trotz massiver Bemü- hungen. So werden wir 2017 das größte Fachkräftequalifizierungsprogramm in der Geschichte des AMS durchführen und dabei Ausbildungen von mehr als 30.000 Personen fördern, die als Ziel einen Lehrabschluss haben. Doch  das alles ist nicht genug. Neben unseren Bemühungen gilt es, durch ver- stärkte Maßnahmen in Kindergarten und Schule den Anteil jener Jugendlichen, die nach der Pflichtschule keine weiterführende Ausbildung machen, gegenüber heute massiv zu senken. Die Ausbildungspflicht bis 18 und die neu geschaffene Ausbildungsgarantie bis  25  sind  dabei  wichtige  Schritte der Regierung und des AMS zu diesem Ziel, sie greifen jedoch relativ    spät. Weitere grundlegende Reformmaßnahmen, vor allem im Bereich der früh- kindlichen Bildung, sind meines Erachtens zusätzlich dringend  notwendig.

Aktuell hat fast jede zweite beim AMS als arbeitslos gemeldete Person nur oder nicht einmal einen positiven  Pflichtschulabschluss  vorzuweisen, und wir gehen davon aus, dass aufgrund unseres relativ hohen Lohnniveaus wenig qualifizierte Arbeitnehmer/innen weiterhin Opfer von Rationalisie- rungen und Beschäftigungsabbau sein werden.

Nehmen uns die Maschinen die Arbeit weg? Geht uns infolge der Automatisierung die Arbeit aus?

In der wohl am häufigsten und auch „am lautesten“ zitierten sogenannten Oxford-Studie von Frey/Osborn2 unternahmen die Studienautoren den Versuch, für über 700 Berufe  die Wahrscheinlichkeit  auszurechnen,  mit der sie in den nächsten 20 Jahren durch technische Innovationen wegfallen werden. Demnach sind – untersucht wurde der US-Arbeitsmarkt – 46 % al- ler bestehenden Jobs von hoher Wahrscheinlichkeit bedroht, obsolet zu wer- den. Was die Studie jedoch nicht untersucht hatte, waren die im gleichen Zeitraum neu entstehenden Berufe und Tätigkeitsfelder. Ein Umstand, den die berichtenden Medien in ihren „Das Ende der Arbeit“-Artikeln jedoch kaum erwähnten.

Inwieweit wir durch technologischen Fortschritt morgen wirklich weniger Arbeit haben werden, ist unter Experten umstritten. Ich persönlich glaube nicht, dass uns die Arbeit ausgehen wird. Dies aufgrund der Tatsache, dass die aktuell wieder verstärkt geführte Diskussion in Wirklichkeit eine schon sehr alte ist. Die Kombination von Webstühlen und der Dampf- maschine am Ende des 18. Jahrhunderts gilt vielfach als Beginn der Indust- rialisierung. Und schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts bekämpften die sogenannten Maschinenstürmer die großen Veränderungen, die diese tech- nologischen Innovationen am Arbeitsmarkt auslösten. Statt zu Hause arbei- tenden Weberinnen brauchte man plötzlich Maschinenbediener/innen.   Seit damals hat eine Reihe von großen disruptiven Innovationen mit ihrer Ver- breitung den Arbeitsmarkt massiv verändert. Im 19. Jahrhundert ist neben  der Erfindung der Dampfmaschine sicherlich die Verbreitung der Eisenbahn mit all den damit verbundenen Neuerungen wie Stahl- und Tunnelbau oder die völlig veränderten Handelsbeziehungen zu nennen. Das zwanzigste Jahrhundert brachte neben anderen bahnbrechenden Innovationen die Elektrifizierung, die Petrochemie, den Individualverkehr und das Internet.

Jede dieser Innovationen führte zu sehr ähnlichen Diskussionen wie heute, jede dieser Innovationen zerstörte Millionen von bestehenden Jobs, schuf aber völlig neue – zuvor nie prognostizierte und auch unzählige zu-   vor nicht gekannte – Tätigkeitsfelder. Oftmals kam es sogar vor, dass durch die sinkenden Produktionskosten im Zusammenhang mit der Automatisierung die Preise von bestimmten Produkten so massiv gesenkt werden konn- ten, dass die verstärkte Nachfrage insgesamt – sogar in der gleichen   Branche – mehr Arbeitsplätze schuf als zuvor. Ein schönes Beispiel ist die Erfindung des automatischen Wählamtes mit Selbstwähltelefon, das sich in Österreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete. Zuvor waren in unserem Land mehrere Tausend „Fräulein vom Amt“ in der Vermittlung beschäftigt, deren Jobs in relativ rascher Zeit obsolet wurden. Dennoch arbeiteten kurze Zeit danach mehr Menschen im Bereich Telekommunikation als je zuvor. Was aber nach jeder disruptiven Innovation eine große Herausforderung war, die oftmals kaum gelang, war, die dadurch arbeitslos gewordenen Menschen auf die neu entstandenen Jobs „umzuschulen“. Man „macht“ eben aus Nähe- rinnen nicht einfach Maschinenbedienerinnen.

Die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge von grundlegenden dis- ruptiven Innovationen untersuchte schon sehr früh der russische Wirt- schaftswissenschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew in seinem 1926 erschienenen Artikel „Die langen Wellen der Konjunktur“.3 Das Festhalten  an seiner – wie wir heute wissen – richtigen Theorie, hat ihn unter dem Stalin-Regime letztlich sogar das Leben  gekostet.4

 

Was erwarten Experten, wo könnten neue Beschäftigungsmöglichkeiten  entstehen?

Nahezu alle großen Trends am Arbeitsmarkt, wie zum Beispiel die Digita- lisierung, die Globalisierung oder auch die Ökologisierung, führen zu stei- genden Qualifikationsanforderungen der Unternehmen an ihre Beschäf- tigten. So werden laut CEDEFOP Skills Forecast (Europäisches Zentrum  für die Förderung der Berufsbildung) auf europäischer Ebene steigende Beschäftigungsmöglichkeiten für Hochqualifizierte, stagnierende Beschäf- tigungsmöglichkeiten für mittlere Qualifikationsniveaus und sinkende für Niedrigqualifizierte erwartet.

Zu den konkreten Erwartungen für Österreich sei ein aktueller AMS- Report zitiert:

„Für Österreich wird – dem gesamteuropäischen Trend folgend – für gut zwölf Prozent der Beschäftigungsmöglichkeiten ein geringes Qualifi- kationsniveau genügen. Im Gegensatz zum gesamteuropäischen Trend wird für Österreich jedoch auch im mittleren Qualifikationssegment mit einem positiven Expansionsbedarf gerechnet, und knapp 56 Prozent der Beschäf- tigungsmöglichkeiten sollen mittlere Qualifikationsanforderungen  stellen.  Der Anteil der Beschäftigungsmöglichkeiten mit hohen Qualifikationsan- forderungen wird in Österreich mit knapp 32 Prozent niedriger ausfallen   als im gesamteuropäischen Schnitt. Insgesamt werden rund 1,65 Millionen Jobmöglichkeiten in Österreich erwartet, davon werden knapp 1,49 Millio- nen auf den Ersatzbedarf entfallen. Mehr als 55.000 Arbeitsplätze mit gerin- gen Qualifikationsanforderungen werden voraussichtlich nicht nachbesetzt, in diesem Qualifikationssegment eröffnen sich dadurch im Zeitraum 2013    bis 2025 per Saldo nur rund 205.000 Beschäftigungsmöglichkeiten, die aus- schließlich auf Ersatzbedarf basieren. Im Segment der mittleren und insbe- sondere der hohen Qualifikationsanforderungen entstehen hingegen auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten.“5

Wir befinden uns in einem Übergang von der Industrie- zur Infor- mationsgesellschaft, die auch die Industrie – unter dem Schlagwort „In- dustrie 4.0“ – stark verändert. Mit diesen Entwicklungen steigen die An- forderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in verschiedener Hinsicht. Besonders wichtig wird etwa die Fähigkeit, Informationen zu finden, zu beurteilen, auszuwählen und zu verarbeiten. Gerade im Bereich Informationsverarbeitung werden jedoch viele Tätigkeiten,  bei  denen  es um das Durchsuchen und Aufbereiten großer Datenmengen geht, von im- mer leistungsfähigeren Datenverarbeitungssystemen – bis hin zu künstlicher Intelligenz – durchgeführt oder unterstützt. Entscheidungen, die auch auf nicht vorprogrammierten (bzw. nicht vorprogrammierbaren) Kriterien und Bewertungen sowie auf Kreativität beruhen, müssen jedoch weiterhin von Menschen getroffen werden. Über die beste „Schnittstelle“ für menschliche Kommunikation und Bedürfnisse verfügen ebenfalls reale  Menschen.

Für immer mehr Tätigkeiten werden neben spezifischen Fachkenntnissen vor allem auch fachübergreifende und soziale Kompetenzen, ausreichende Anwendungskenntnisse verschiedener Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Fremdsprachen (jedenfalls Englisch) vorausgesetzt. Überfachliche und soziale Kompetenzen sind z. B.: Teamfä- higkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktlösungspotenzial, Anpassungsfä- higkeit, Mobilität, die Fähigkeit, die eigene Meinung vertreten zu können, Präsentationsfähigkeit, Kreativität, Fantasie, Innovationsfähigkeit, Verant- wortungsbewusstsein, Flexibilität, selbstständiges Arbeiten, Fähigkeit zur Eigenverantwortung und die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung. Mehrmaliger Berufswechsel und Wechsel zwischen Beschäftigungs- und Weiterbildungsperioden bestimmen die Berufslaufbahnen von mehr und mehr Menschen. Das AMS unterstützt berufliche Mobilität sowohl finanziell als auch durch Information und  Beratung.

Im Sog der Digitalisierung

Nach der Mechanisierung, der Elektrifizierung und der  Automatisierung wird nun die digitale Vernetzung der Industrie unter dem Begriff „Indus- trie 4.0“ in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien diskutiert. Kenn- zeichnend für Industrie 4.0 ist die  Vernetzung  von  Menschen, Objekten und Systemen über das Internet. Über das Internet können Maschinen mit- einander kommunizieren, Informationen austauschen, Aktionen  auslösen und Systeme sich gegenseitig steuern. Dadurch soll eine weitgehend selbst- organisierte Produktion möglich werden: Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren und kooperieren direkt miteinander. Die Vernetzung ermöglicht es, nicht mehr nur einen Produktionsschritt, sondern eine ganze Wertschöpfungskette zu optimieren.

In diesem Gefüge der sich selbst steuernden Systeme – bis zum glo- balen „Internet der Dinge“ – ist die reale oder virtuelle Anwesenheit von Menschen mit entsprechender professioneller Kompetenz besonders wich- tig: Sie managen, forschen, analysieren, entwickeln, realisieren, prüfen, kontrollieren, greifen ein, beraten etc. Allerdings werden dabei einerseits neue Arbeitsplätze geschaffen, andere fallen hingegen weg. So ist mittler- weile  absehbar,  dass in  der  Zukunft sich  selbst  steuernde  Fahrzeuge zumindest teilweise ohne Fahrer auskommen werden. Das wird zuerst ge- rade auch Lkw-, Bus- oder Taxifahrer betreffen. Onlineshopping und automatisierte Selbstbedienungskassen reduzieren den Personalbedarf im Einzelhandel. Andererseits entstehen in der Entwicklung, Herstellung und Servicierung sowie im laufenden Betrieb entsprechender Hard- und Soft- ware auch viele neue Arbeitsplätze. Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik ist es, jene Menschen zu unterstützen, die von Arbeitsplatzverlust betroffen oder bedroht sind. Berufliche Mobilität muss dabei künftig stärker gefördert, aber auch gefordert werden.

Digitalisierung beeinflusst aber auch auf andere Art, wie Arbeit or- ganisiert ist, nämlich durch die Möglichkeit, durch die digitale Vernetzung Tätigkeiten aus dem unmittelbaren Unternehmenszusammenhang auszu- lagern und auf viele vernetzte Individuen, über die sogenannte „Crowd“     zu verteilen. Diese sind mit einer Plattform verbunden, hinter der ausgela- gerte IT-Kapazitäten („Cloud“) stehen. Dabei ist „Crowdsourcing“ der all- gemeinere Begriff, der auch ohne Bezahlung verrichtete Tätigkeiten (z. B. Open-Source-Software-Entwicklung, Arbeit an Wikipedia, Online-Wörter- büchern, Produktbesprechungen, Datensammlungen für Forschungsprojekte etc.) mit einschließt. Besonders relevant für den Arbeitsmarkt, aber auch für Lohn- und Sozialstandards ist das eigentliche „Crowdworking“, nämlich das Outsourcing von Arbeit in Form von Mini-Aufträgen über entsprechende Plattformen.

Fachkräftemangel in technischen  Berufen

Techniker/innen sind nach wie vor sehr gefragte Arbeitskräfte und wer-    den weiterhin gefragt sein. Etwa drei von vier Industrieunternehmen ha-  ben Probleme, qualifiziertes Personal in Zukunftsbereichen, wie Technik, Produktion oder Forschung & Entwicklung, zu finden. Die Prognosen der Wirtschaftsforschung und einschlägige Studien sagen eine anhaltend starke Nachfrage nach entsprechend ausgebildeten Absolventinnen und Absolven- ten technischer Ausbildungen voraus. Zu den Berufsgruppen mit relativ ho- her Nachfrage gehören, neben Naturwissenschaftler/innen und Ingenieur/ innen, beispielsweise auch Absolventinnen und Absolventen einer Lehre im Metallbereich bzw. im Bereich Elektrotechnik oder  Elektronik.

Nachgefragt werden auch Fachkräfte mit technischen Ausbildungen im Bereich der sogenannten „Green Jobs“. Dabei handelt es sich um Ar- beitsplätze im Umweltsektor, die sich mit der Herstellung von Produkten und Technologien, beispielsweise zur Energieversorgung, sowie mit Dienst- leistungen zur Vermeidung von Umweltschäden und Erhaltung natürlicher Ressourcen beschäftigen. Der mittlerweile doch in Fahrt kommende Trend zur Elektromobilität wird hier ebenfalls zusätzliche Nachfrage schaffen. Be- schäftigungspotenziale liegen auch in der Bereitstellung „smarter“ Angebote zur Energieverbrauchssteuerung in Haushalten und  Unternehmen.

Unternehmen wollen Fachliches und  Überfachliches

Ein wichtiger Trend ist die zunehmende Bedeutung von  Soft  Skills, wie etwa Team-, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, auch im Tech- nikbereich, speziell in Hinblick auf die Zusammenarbeit in interdisziplinä- ren Teams. Erhöhte Anforderungen werden auch an das Auftreten sowie die Kundenorientierung zukünftiger Techniker/innen gestellt. Die zunehmende Bedeutung von Soft Skills besagt aber nicht,  dass  fachliche  Qualifikati- onen weniger wichtig werden. Fehlendes Fachwissen kann dadurch nicht wettgemacht werden. Im Gegenteil: Neben dem Wissen über das eigene Fachgebiet soll auch ein Grundverständnis für andere technische Fachrich- tungen vorliegen. Darüber hinaus werden, insbesondere von Fachhoch- schul- und Universitätsabsolvent/innen, häufig weitere Qualifikationen, wie etwa Fremdsprachenkenntnisse, betriebswirtschaftliches Wissen oder Erfah- rung mit Projektmanagement, verlangt.

Darüber hinaus muss  es  uns  gelingen, mehr  Mädchen  und  Frauen zu motivieren, einen technischen Beruf zu ergreifen bzw. eine technische Ausbildung zu absolvieren. Technikerinnen werden von der Wirtschaft stark umworben, weil sie ganz spezifische Kompetenzen mitbringen und eine Bereicherung für die Mitarbeiterteams darstellen. So sehen viele Unter- nehmen die Vorteile von Frauen in ihren Soft Skills, also den Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen. Der Fachkräftemangel könnte also eine große Chance für Frauen, auch im Bereich des Abbaus der Einkommensunter- schiede darstellen.

Und übermorgen?

Wir im AMS sind wahrscheinlich jene Organisation, die am meisten For- schungsarbeit zur Frage „Welche Qualifikationen braucht unser Arbeits- markt morgen?“ leistet. Wir können diese Frage auch recht gut und detail- liert beantworten, allerdings nur für „morgen“. Welche Qualifikationen der Arbeitsmarkt „übermorgen“, also in mehr als drei bis fünf Jahren braucht, wissen auch wir kaum. Umso wichtiger ist es, unseren Kindern in den Schulen neben Wissen auch Lernfreude, Lernfähigkeit und kreative Neugier beizubringen. Sie werden diese Dinge „übermorgen“ mehr brauchen als je zuvor.

 

 

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